Als Teil der US-amerikanischen Außenpolitik in Asien wurde am 08. September 1954, zur Hochzeit des Kalten Krieges, die Schließung eines Verteidigungspaktes für Südostasien verkündet. Wenngleich es Unstimmigkeiten bei der Namensgebung gab, South East Asian Treaty Organization (SEATO) oder South East Asia Pact (SEAP), verfolgte sie ein klares Ziel: die Errichtung eines Cordon Sanitaire (Isolationsgebiet) gegen den neu entstandenen kommunistischen Machtblock mithilfe von westlichen Sicherheits- und Militärstrategien.

Die SEATO, die aufgrund ihres Gründungsortes in der philippinischen Hauptstadt auch Manila-Pakt genannt wurde, formierte sich auf Bestrebungen der USA, der sich sieben weitere Staaten anschlossen – Australien, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Pakistan, die Philippinen und Thailand. Obwohl in einigen der Mitgliedsstaaten auch kommunistische Parteien existierten, galten diese nicht als ernstzunehmende politische Gefahr.

Zielobjekte der SEATO waren diejenigen Länder, welche sich durch ihre geographische Nähe zu kommunistischen Staaten und deren „populistischen Sogkraft“ in der Gefahr befanden ebenfalls kommunistisch zu werden (Angst vor dem Kommunismus). Die sogenannte „Domino-Theorie“ beschrieb die Gefahr, dass diese Länder wie eine Reihe aufgestellter Dominosteine nacheinander „wegfielen“ und der westlichen Wertegemeinschaft den Rücken zukehrten. Als Produkt der „Domino-Theorie“ trug die SEATO dazu bei, dass sich bestehende Probleme intensivierten und neues Konfliktpotential entstand, sodass 1972 die ersten Mitgliedsstaaten austraten und die SEATO am 30. Juni 1977 im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst wurde.

Rainer Werning: Pendant zur NATO. In: Junge Welt, 07.09.2019.