Die Konfliktlinien in Myanmar sind vielfältig, wobei jedoch Fragen nach der ethnischen Zugehörigkeit und nach der Religion eine besondere Rolle einnehmen. Auf die Unabhängigkeit 1948 folgte ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg zwischen dem Militär der Zentralregierung und mehreren bewaffneten ethnischen Gruppen. Zwar haben die meisten bewaffneten Gruppen inzwischen Waffenstillstandsabkommen mit der Regierung abgeschlossen haben. Doch der Konflikt dauert bis heute fort mit einer Vielzahl an Konfliktakteuren (Armeen und Milizen).

Eine entscheidende Ursache für die bewaffneten Konflikte bis in die Gegenwart ist die Grenzziehung in der Kolonialzeit. Mit dem Einzug der britischen Kolonialmacht wurden nach innen und nach außen geografische Grenzen gezogen. Die Ethnien in den Grenzgebieten erhielten einen hohen Grad an Autonomie, während die Mehrheitsbevölkerung der Bamar wirtschaftlich und politisch marginalisiert wurde (Teile und herrsche-Politik). Diese Entwicklung bildete den Nährboden für Feindseligkeiten und Misstrauen zwischen der Mehrheitsbevölkerung der Bamar und den ethnischen Gruppen in den Grenzgebieten. Mit dem Militärputsch 1962 waren die ethnischen Minderheiten die folgenden Jahrzehnte der Marginalisierung und Diskriminierung durch das Militärregime ausgesetzt. Die sogenannte “Birmanisierungspolitik”, die, einen vereinten birmanischen Staat, birmanische Kultur und den Buddhismus zum Ziel hatte, verschärfte die Konfliktlinien zwischen den verschiedenen Ethnien.