In Myanmar sind der Drogenkonsum und mit Drogen verknüpfte Probleme weit verbreitet. Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte hat der Konsum von Drogen rasant zugenommen. Besonders in Kachin und im nördlichen Shan-Staat stehen das aus Rohopium gewonnene Heroin an erster Stelle. Drogen, Bürgerkrieg und Jade sind hier unmittelbar miteinander verknüpft und die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung bezeichnend. Die HIV/AIDS-Verbreitung in Kachin und Shan ist die höchste landesweit. Gerade in der Stadt Hpakant ist der Drogenmissbrauch sehr hoch: bis zu 50% unter den jungen Arbeiter*innen konsumieren regelmäßig Drogen. Es gibt bisher nur wenige effektive Sucht-Programme vor Ort. Laut Quellen der Zivilgesellschaft in Kachin sind bisher mehr Menschen an Drogen und den damit verbundenen Problemen als durch den bewaffneten Konflikt gestorben. Die Kachin Independence Organization (KIO) zusammen mit ihrem bewaffneten Arm, der Kachin Independence Army (KIA), steht in dem Ruf, eine scharfe Anti-Drogenpolitik durchzusetzen, um die gegenwärtige Situation zu verbessern.

Gefängnis anstatt Therapie

Es gibt keine offiziellen Daten zum Drogenkonsum. Laut Umfragen und Interviews sind angeblich Heroin und Amphetamine am weitesten verbreitet unter insbesondere jungen Menschen (Alter zwischen 15 und 30). Es fehlt an Präventions- und Behandlungsprogrammen. In Kachin gibt es gerade einmal zwei öffentliche Krankenhäuser (Myitkyina und Bamaw), die Maßnahmen zur Drogenentgiftung anbieten. Allerdings sieht es in den anderen Staaten und Regionen im Land nicht besser aus. Es existieren keine staatlichen Reha-Zentren. Die Regierung legt den Schwerpunkt bisher maßgeblich auf die Kriminalisierung von Drogenkonsument*innen. Die großen Fische im Drogenhandel, wie druglords, Milizenanführer und korrupte Beamte werden nur selten zur Rechenschaft gezogen. Ein großer Teil der Gefängnisinsass*innen gerade in Kachin und Shan sind Drogenabhängige.

Der Handel mit Drogen beziehungsweise die Profite daraus dienen als wichtige Grundlage für den anhaltenden Konflikt in Kachin. Viele der Konfliktakteure finanzieren sich und den Krieg seit Jahrzehnten über das Geld aus dem Drogenhandel. Auch Vertreter*innen verschiedener Behörden und das Militär ist hier stark involviert. Daher verwundert es nicht, dass Drogenproduzent*innen und -Händler eher selten strafrechtlich verfolgt werden. Im Corruption Perceptions Index von Transparency International ist die Korruptionsrate in Myanmar weiterhin sehr hoch. Das Land belegt2 2017 Platz 130 von 180.

Auch Milizen der Tatmadaw sollen angeblich sehr stark in der Amphetamin- und Heroinproduktion sowie in den Handel damit verstrickt sein. Einige davon wurden sogar 2010 und 2015 ins Parlament gewählt. Durch die sehr enge und gute Beziehung zum Militär sind sie allerdings unantastbar. Für die eie eben genannten Akteure ist es ein leichtes Spiel, ihren Ruf aufrecht zu erhalten und Beschuldigungen auf andere Akteure wie etwa bewaffnete ethnische Gruppen zu lenken. Damit werden auch Gruppen, die eine Anti-Drogenpolitik unterstützen und sich für demokratische Ziele engagieren, unter Druck gesetzt.

Selbsthilfe?

Im Jahr 2014 gründete sich eine von den lokalen Kirchen (baptistisch, katholisch und protestantisch) getragene Initiative mit dem Namen Pat Jasan (grob übersetzt: “Der Kampf gegen das Opium”), um sich dem Drogenproblem anzunehmen. Die Initiative wird durch ein selbsternanntes Komitee organisiert, das die vom Staat vernachlässigte Strafverfolgung selbst in die Hand nimmt. Sie kleiden sich in Militär-ähnliche Uniformen, tragen Schlagstöcke mit sich und kontrollieren die lokalen Gemeinden. Drogenabhängige werden von ihnen geschlagen, eingesperrt und zur Behandlung beziehungsweise Rehabilitierung in dafür entwickelte Camps eingewiesen. Die Zerstörung eines großen Anteils an bewirtschafteten Mohnfeldern, die die Lebensgrundlage vieler Menschen in der Region bilden, geht auf sie zurück. Myanmar gilt als weltweit zweitgrößter Produzent von Opium nach Afghanistan. Inzwischen spaltete Pat Jasan jedoch die Kachin community: einerseits engagieren sie sich gegen den steigenden Drogenkonsum, andererseits verletzen sie Menschenrechte und verschlechtern die Situation von Drogenabhängigen und Mohnbauer*innen.

 

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