Das Fanal von Bandung – vor 65 Jahren, vom 18. bis zum 24. April 1955, fand in der indonesischen Stadt Bandung die erste große Afro-Asiatische Konferenz im Geiste des Antikolonialismus, Antiimperialismus und Antirassismus statt. Während des Kalten Krieges wurden in Bandung auch die künftigen politischen Grundlinien der „Dritten Welt“ und von „Blockfreiheit“ entworfen.

Es waren die ehemaligen südasiatischen Kolonien des britischen Empire Indien, Pakistan, Ceylon und Burma, die gemeinsam mit Indonesien eigene Vorstellungen einer neuen Weltordnung entwickelten und zu diesem Zweck zwei Vorbereitungstreffen mit Blick auf die Bandung-Konferenz ausrichteten. Dem ersten Treffen in Ceylons Hauptstadt Colombo im Sommer 1954 folgte Ende Dezember desselben Jahres ein weiteres in der indonesischen Stadt Bogor. Am 18. April 1955 eröffnete der indonesische Präsident Sukarno schließlich die Asiatisch-Afrikanische Konferenz in Bandung mit insgesamt 29 Teilnehmenden Ländern:

Afghanistan, Ägypten, Äthiopien, Birma/Burma, Ceylon, Volksrepublik China, Goldküste (heute: Ghana), Indien, Indonesien, Iran, Irak, Japan, Jemen, Jordanien, Kambodscha, Laos, Libanon, Liberia, Libyen, Nepal, Pakistan, Philippinen, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, Thailand, Türkei, Nordvietnam und Südvietnam.

Das alles überragende Thema dieser einwöchigen Konferenz war die Neubestimmung internationaler Beziehungen auf der Basis von Selbstbestimmung, nationaler Unabhängigkeit und die angemessene Repräsentanz der vertretenen Länder in den Vereinten Nationen. Diese waren in jener Zeit ein hauptsächlich von den USA und ihren westlichen Verbündeten kontrolliertes Gremium. „Koloniales Erbe“, „kollektive Erfahrung kolonialer Unterdrückung“, Imperialismus und Rassismus, Süd-Süd-Dialog, „Blockfreiheit” sowie „Dritte Welt“ lieferten Stichworte, über die intensiv und auch kontrovers diskutiert wurde.

Am letzten Tag der Konferenz, am 24. April 1955, veröffentlichten die Teilnehmenden das von ihnen unterzeichnete Final Communiqué of the Asian-African Conference und skizzierten anschließend ihre gemeinsame Position zu Fragen wirtschaftlicher und kultureller Zusammenarbeit, zu Menschenrechten und Selbstbestimmung, zu Problemen abhängiger Völker sowie schließlich zur Förderung des Weltfriedens und der Zusammenarbeit. Letztere wurde sodann trotz kultureller, ideologischer, historischer und politischer Differenzen zwischen den Delegierten noch eigens in folgender zehn Punkte umfassenden „Erklärung zur Förderung des Weltfriedens und der Zusammenarbeit“ verabschiedet:

  1. Achtung der grundlegenden Menschenrechte und der Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen;
  2. Achtung der Souveränität und der territorialen Integrität aller Nationen;
  3. Anerkennung der Gleichheit aller Rassen und der Gleichheit aller großen und kleinen Nationen;
  4. Verzicht auf jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes;
  5. Achtung des Rechts jeder Nation, sich allein oder gemeinsam zu verteidigen, in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen;
  6. (a) Verzicht auf den Einsatz von Vorkehrungen zur kollektiven Verteidigung, um bestimmten Interessen einer Großmacht zu dienen; (b) Verzicht eines Landes auf die Ausübung von Druck auf andere Länder;
  7. Verzicht auf Handlungen oder Androhung von Aggressionen oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines Landes;
  8. Beilegung aller internationalen Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln wie Verhandlungen, Schlichtung, Schieds- oder Gerichtsverfahren sowie mit anderen friedlichen Mitteln nach eigener Wahl der Parteien im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen;
  9. Förderung der gegenseitigen Interessen und der Zusammenarbeit;
  10. Achtung von Gerechtigkeit und internationalen Verpflichtungen.

Gekürzter Fassung des Artikels Das Fanal von Bandung von Rainer Werning (NachDenkSeiten, 24.04.2020).